Korkeichen, Lissabon und immer wieder der Atlantik

 

Freitag, 16.02.2018

 

Die Algarve haben wir nun verlassen und die Nacht hier in Aljezur auf dem Campingplatz verbracht. Es kommt uns sehr gelegen, dass wir den Platz erst am Nachmittag verlassen brauchen. Also nutzen wir die Gelegenheit zum Saubermachen, Betten abziehen und  Womo waschen.

 

Unser neues Ziel ist Vila Nova de Milfontes. Hier hat es uns sofort gefallen. Ein schöner, lebhafter Ort mit einem Castello, aber das Beste: am Ende des Ortes kommt nur noch Atlantik und die breite, ruhige Flußmündung des Rio Mira, der hier auf den Atlantik stößt. Es gibt einen super Parkplatz mit Blick auf dieses Schauspiel und ein "Kreisel" mit Treppenabstieg zum Strand. Hier verbringen wir die Nacht. Der Ort grenzt außerdem an eine schöne Dünenlandschaft, man könnte fast glauben, auf Sylt zu sein.

 

ca. 70 Tageskilometer

CP 17,20 € /Wifi und Womo-Waschanlage sowie Frühstücksbrot 8,00 €

Samstag, 17.02.2018

Die Abfahrt von Vila Nova de Milfontes fiel uns besonders schwer, es hat uns hier sehr gefallen.

Unser nächstes Ziel ist Sines. Dieser Ort hat eigentlich nicht viel zu bieten, er ist geprägt von Industrie,liegt auf einem Felsen, hat einen schönen Strand, eine nette Promenade und einen Aufzug, mit dem man in die historische Altstadt gelangt. Aber auch hier muss man feststellen, dass der Ort seine beste Zeit wohl hinter sich hat.

Trotzdem ist Sines für eine Pause und einen kleinen Spaziergang bestens geeignet. Das Womo haben wir direkt am Hafen abgestellt.

 

In Sines wurde der Seefahrer Vasco da Gama geboren (15. Jahrhundert). Sein größter Verdienst ist die Entdeckung des Seeweges nach Indien, was den Aufbruch Portugals zur Weltmacht bedeutete.

 

Außerdem gibt es noch eine Burg aus dem Mittelalter. Hier ist der Bergfried und die zinngekrönten Mauern erhalten geblieben.

 

Danach galt es mal wieder, eine Gastankstelle anzufahren. An der Algarve gab es keine Probleme, hier sind die Tankstellen eher rar gesät. Unser Ziel heißt deshalb nun Grandola. Unsere App sagt "hier gibt's Gas". Es ist bis dorthin eine fürchterliche Holperstrecke, aber die Landschaft ist einmalig schön. Wieder sehen wir unglaublich viele Störche, fast jedes Nest ist "besetzt". Und dann fahren wir durch große Korkeichenwälder. Ein sehr ungewohntes Bild :)

Nach unserer Mission "Gas tanken" brauchen wir noch einen schönen Nachtplatz. Laut Reiseführer wird der knapp 30 km entfernte See "Barragem do Pego de Altar" angepriesen. Unser Navi führt uns sicher dort hin, doch oh Schreck, der See ist weg. Wir können kaum unseren Augen trauen. Der komplette See ist ausgetrocknet. Welch' Katastrophe für dieses schöne Landschaftsschutzgebiet. Es wird uns immer bewusster, was die anhaltende Trockenheit bedeutet.

 

135 Tageskilometer

 

Sonntag, 18.02.2018

Nach unserer Abfahrt vom ehemaligen See kommen wir durch einen schön anzusehenden Ort: Santa Susanna. Der komplette Ort ist einheitlich in blau - weiß gehalten und sehr liebevoll zurecht gemacht.

Danach haben wir uns ein beliebtes Ausflugsziel ausgesucht: Moinho de Maré Mourisca am Rio Sado. Schönes Gelände mit Salinen, Gezeitenmühle, Vogelbeobachtung und einem Cafe. Hier kommen natürlich gerade an einem sonnigen Sonntag gerne die portugiesischen Familien her.

 

Und dann geht es noch ein paar Kilometer weiter, zum Cabo Espichel mit der berühmten Pilgerkirche Nossa Senhora do Cabo und einem Leuchtturm. Eine interessanter Ort und eine schöne Landschaft. Es war auch ordentlich was los, halt eben Sonntag.

 

Übernachtet haben wir am Leuchtturm - wir waren ganz alleine.

 

107 Tageskilometer

 

 

Montag, 19.02.2018

Auf nach Lissabon, so die heutige Devise. Aber wir haben Montag, und montags sind in Portugal viele Sehenswürdigkeiten geschlossen. Daher werden wir heute erst einmal beim CP Lisboa einchecken.

Für den Weg nach Lissabon nehmen wir  "Mautpflicht vermeiden" beim Navi raus. Erstens wären es sonst schlappe 100 km mehr und zweitens möchten wir uns natürlich nicht die Super-Brücke entgehen lassen.

 

Wikipedia sagt: Die Ponte 25 de Abril (deutsch: Brücke des 25. April) ist ein 3,2 Kilometer langer Brückenzug in Portugal mit einer 2278 Meter langen Hängebrücke über den Tejo. Sie ist weltweit, nach der Yavuz-Sultan-Selim-Brücke und der Tsing-Ma-Brücke, die drittlängste Hängebrücke mit kombiniertem Straßen- und Eisenbahnverkehr. Sie verbindet in Nord-Süd-Richtung den Lissabonner Stadtteil Alcântara mit der Stadt Almada. Über die Brücke führt in sechs Spuren die Autobahn A2/IP7. Unter den Einheimischen wird sie schlicht Ponte genannt.

 

Der Blick geht unweigerlich zur Christo Rei-Statue.

 

Wikipedia:

Der Cristo Rei ist eine Christus-Statue in der Stadt Almada in Portugal. Sie stellt Christus mit geöffneten Armen dar, der sich der Brücke des 25. April und der Stadt Lissabon zuwendet.

Die Statue steht auf einem 75 Meter hohen Sockel. Dieser befindet sich 113 Meter über dem Tajo. Die Statue selbst ist 28 Meter hoch und damit die siebthöchste Christusstatue der Welt. Das Monument ist eines der höchsten Gebäude Portugals und die wichtigste Sehenswürdigkeit des Kreises Almada. Wegen ihrer Höhe ist die Statue einer der besten Aussichtspunkte auf Lissabon.

 

Übrigens - wer jetzt am Grübeln ist - ja, die Statue in Rio de Janeira war Vorlage für die in Lissabon.

 

3,95 € Brückenmaut - das war uns die Sache wert!

 

Wir checken am frühen Mittag auf dem CP in Lissabon ein. Eigentlich wollten wir waschen, aber die meisten Maschinen waren defekt und bei den beiden, die funktionierten, gab es eine längere Warteliste. Aber Relaxen ist auch mal ganz schön. Der CP ist ein riesiger großer Park, viele große Bäume - demzufolge hatten wir keinen SAT-Empfang. Ansonsten kann man getrost sagen, als Stadtcamping nicht schlecht, aber alles ein bisschen vom Charme der 70iger Jahre :)

 

Morgen wollen wir dann ganz mutig mit dem Womo nach Belem. Hierauf haben wir den Fokus gelegt.

 

CP 24,71 € (10% Rabatt auf die ADAC-Karte)

50 Tageskilometer

 

Dienstag, 20.02.2018

Belem, Stadtteil im Westen von Lissabon. Hier warten die herausragensten Sehenswürdigkeiten auf uns. 8 km entfernt von CP geht es über ein Wirrwarr von Autobahnen dorthin und, oh, Wunder, wir finden auf Anhieb einen tollen Parkplatz, nur wenige Schritte vom Entdeckerdenkmal entfernt.

 

Das Entdeckerdenkmal ist unser erstes Besichtigungsziel.

 

Genau 500 Jahre nach dem Tod Heinrich des Seefahrers wurde das Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen) am Fluss Tejo gebaut. Denn das Zeitalter der Entdeckungen im 15. Und 16. Jahrhundert hat Portugal groß gemacht: Es ermöglichte Importe von Gewürzen und die Dominanz über den europäischen Gewürzhandel.

 

Der 52 Meter hohe Bau aus Beton mit den Statuen aus Kalkstein der Sintra-Region wurde 1960 eröffnet, noch unter dem Salazar-Regime. In seiner Form erinnert es an den Bug einer Karavelle, dem Schiff der frühen portugiesischen Entdecker. An seiner Seite stehen 32 wichtige portugiesische Persönlichkeiten in einer Reihe (je an der linken und rechten Seite des Monuments), die sich in Richtung des (unbekannten) Wassers bewegen. An der Spitze steht Heinrich der Seefahrer mit einem Schiff in den Händen, den Blick über den Fluss an der Lissabonner Hafeneinfahrt. Prinz Heinrich initiierte und finanzierte zahlreiche Entdeckungsreisen, aufgrund derer Portugal zu einer Kolonial- und Seemacht werden konnte.

Heinrich folgen u.a. Königin Philippa von Lancaster, Entdecker des Seewegs nach Indien Vasco da Gama, Entdecker Pedro Álvares Cabral, Seefahrer Ferdinand Magellan, Dichter Luís de Camões, Astronom Pedro Nunes, Seefahrer Diogo Cão, Kartograf Jehuda Cresques, Entdecker des Kaps der Guten Hoffnungen Bartolomeu Dias sowie König Manuel I. u.a.

 

Mit dem Fahrstuhl gelangt man ganz oben auf das Dach auf eine Aussichtsplattform in 52 Metern Höhe (der benachbarte Torre de Belém ist nur 35 Meter hoch). Auch wenn der Besucht kostenpflichtig ist, er lohnt sich. Denn von hier oben hat man eine wunderbare Sicht nicht nur zum Torre de Belém, dem benachbarten Mosteiro dos Jerónimos und der Ponte de 25 Abril. Vor allem sehenswert ist das große Windrosen-Mosaik am Fuße des Monuments. In dessen Zentrum befindet sich eine Weltkarte, auf der die Orte und Routen portugiesischer Entdeckungen verzeichnet sind. Die Windrose war übrigens ein Geschenk von Südafrika an Portugal.

 

Und das haben wir auch gemacht. Für 5,00 € p.P. haben wir uns in die Warteschlange eingereiht und sind auf die Plattform gefahren. Echt klasse -  ein toller Blick !

Unser zweites Besichtigungsziel ist der Torre de Belem. Gemütlich sind wir am Tejo entlang dorthin geschlendert.

 

An der Hafeneinfahrt ist der Turm von Belém eines der ersten Dinge die ankommende Schiffe von Lissabon sehen. Das ist übrigens auch der Grund aus dem der Torre de Belém gebaut wurde: Ankommende Schiffe zu begrüßen. Gebaut wurde der 35 Meter hohe Turm 1521 als Portugal weltweit führende Seemacht war.

Den Auftrag zum Bau gab König Manuel I. Die Festung, die dennoch elegant am Ufer steht, ist im manuelischen Stil gebaut. Eben dem spätgotischen Stil in Portugal. Der Bau des Turmes löste das Schiff ab, welches vor Belém patrouillierte um die Hafeneinfahrt zu beschützen. Gegenüber am anderen Flussufer stand ein zweiter Turm, sodass feindliche Schiffe ins Kreuzfeuer genommen werden konnten. Der zweite Turm steht seit dem großen Erdbeben 1755 nicht mehr.

Ursprünglich stand der Torre de Belém auf einer kleinen Insel auf der rechten Seite des Tejos. Heute hat sich das Land bis an den Bau herangearbeitet und man kann den Turm über eine kleine Brücke erreichen. Übrigens ist der Torre de Belém einer der wenigen Bauten, die das große Lissabonner Erdbeben von 1755 überstanden haben.

Nachdem Lissabon im Jahr 1580 von spanischen Truppen besetzt wurde, funktionierte man den Turm zum Gefängnis und zur Zollstation um. In den 1840er Jahren wurde der Torre de Belém restauriert. Im Zuge der Arbeiten wurden auch zahlreiche neo-manuelische dekorative Elemente am Gebäude angebracht. 1910 wurde der Torre de Belém zum nationalen portugiesischen Denkmal erklärt, heute zählt der Turm gemeinsam mit dem nahen Mosteiro dos Jerónimos zum UNESCO Weltkulturerbe.

 

Es ist uns nicht leicht gefallen, aber wir haben uns angesichts ein riesigen Warteschlange entschieden, uns den Torre nur von außen anzusehen.

Danach war erst einmal eine Pause im Womo angesagt. Benny bekam seinen Auslauf, wurde bespaßt, es gab Leckerli und für uns eine kleine Stärkung.

 

Danach haben wir uns noch einmal zu unserem dritten Besichtigungsziel, dem berühmten Hieronymitenkloster, auf den Weg gemacht. Aber auch hier, eine ellenlange Warteschlange. Peter hat sich daraufhin den Außenbereich angesehen, einige Bilder gemacht und ist dann zurück zu unserem Benny gegangen. Ich habe mich angestellt. Nach einer Stunde hielt ich dann endlich mein Ticket (10,00 €) in Händen. Aber es hat sich gelohnt, ich war tief beeindruckt von soviel Schönheit.

 

Und hier noch einige Infos von Wikipedia:

 

Das Mosteiro dos Jerónimos (deutsch Hieronymitenkloster, irrtümlich umgangssprachlich auch Hieronymuskloster) ist ein Bauwerk in Lissabon (Portugal), im Stadtteil Belém. Er gilt als bedeutendster Bau der Manuelinik (Manuel I., 1495–1521), einer portugiesischen Variante der Spätgotik, die auch einige Elemente der Renaissance enthält. Unter anderem beherbergt es die Sarkophage von Fernando Pessoa, Vasco da Gama und Luís de Camões und verschiedener portugiesischer Könige.

Durch die weite Parkanlage (Praça do Império) vor dem 300 Meter langen Gebäude kommt die reichverzierte Kalksteinfassade voll zur Geltung.

Das Kloster wurde von Manuel I. in Auftrag gegeben, kurz nachdem Vasco da Gama von seiner ersten Indienreise zurückgekehrt war. Der Bau wurde zu großen Teilen durch die nun sprudelnden Einnahmen des Überseehandels finanziert. Im Jahre 1501 wurden die Arbeiten aufgenommen, die von zahlreichen Architekten und Baumeistern begleitet wurden, unter ihnen Diogo Boitaca (Planung und Ausführung) und João de Castilho (Logistik). Der Bau wurde im Jahre 1601 fertiggestellt. Während der Herrschaft König Johanns III. wurde das Kloster um den Chor erweitert.

Das Kloster beherbergte bis 1834 die Hieronymiten, den Orden des Heiligen Hieronymus, der dem Kloster auch den Namen gab. Das Gebäude überstand das Erdbeben von 1755 ohne größere Schäden, wurde aber durch die Truppen Napoleon Bonapartes Anfang des 19. Jahrhunderts verwüstet.

Im Jahre 1983 wurde das Mosteiro dos Jerónimos von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Am 13. Dezember 2007 unterzeichneten hier die Staats-/Regierungschefs der EU-Staaten den Vertrag von Lissabon zur Neuordnung der Europäischen Union.

 

In Belem kann man sich locker den ganzen Tag aufhalten, besonders dann, wenn man noch zugeparkt wird und seinen Aufenthalt nicht beenden kann. So sind wir noch einmal gemeinsam mit unserem Benny zum Entdeckerdenkmal gegangen, um die einzigartige Stimmung zu genießen. Sonniges, warmes Wetter, viele haben sich am Ufer des Tejo hingesetzt und dann, als besonderes Schmankerl, ein toller Musiker, der Pop vom Feinsten zum Besten gab. Und natürlich, ein Stückchen weiter haben wir noch Kaffee getrunken und die Aida durfte natürlich hier auch nicht fehlen....

Als wir dann um einiges später wieder am Womo waren, konnten wir auch den Parkplatz verlassen. Und nun wollten wir den Abend in der Natur verbringen. Nach einer Stunde waren wir dann endlich wieder am tosenden Atlantik. Es war ein erlebnisreicher Tag.

 

50 Tageskilometer

Mittwoch, 21.02.2018 - Donnerstag, 22.02.2018

Die Nacht haben wir am Praia de Cresmina verbracht. Ganz in der Nähe ist auch das Cabo da Roca,  der westlichste Punkt des Festlands des europäischen Kontinents. Hier toste der Atlantik wirklich nicht schlecht und das Womo wurde auch ein bisschen durchgeschüttelt. Nach dem Frühstück haben wir uns noch ausgiebig mit einem netten Paar aus Ulm unterhalten (falls Ihr das hier zufällig lesen solltet, vielleicht meldet Ihr Euch mal) und dann haben wir erst einmal einen ausgiebigen Spaziergang unternommen. Danach war unser neues Ziel Obidos, eine wunderbar erhaltene mittelalterliche Stadt. Aber zuvor checkten wir erst einmal in der Nähe auf dem CP Foz do Arelho ein. Auf dem parkähnlichen Gelände richten wir uns wohnlich ein. Wir haben einen schönen sonnigen Platz und Ihr ahnt es sicher, es muss mal wieder Wäsche gewaschen werden.

 

 

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